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Urbane Geologie oder das Gedächtnis der Steine

Die Steine, aus welchen unsere Städte gebaut sind, erzählen auf ihre Weise von der Geschichte der Erde. In den Sockeln der ältesten Bauten der Stadt Freiburg findet man nicht selten Kalktuff. Dieses Gestein hat sich vor rund 10'000 Jahren in wäldlichen Umgebungen gebildet, an einer kalkhaltigen Quelle, wo der im Wasser enthaltene Kalk sich allmählich auf Moosen und toten Blättern abgelagert hat. Der Mont-Blanc-Granit dagegen, welcher oft für Treppenstufen benutzt wird, führt uns 20'000 Jahre zurück. Damals gelangten diese erratischen Blöcke aus Gneiss oder Granit, manchmals so gross wie ein Haus, ins Gebiet der Schweiz, transportiert durch die Gletscher während der letzten Eiszeit.

Der Molasse-Sandstein, den man beispielsweise am Berner Münster findet, trägt oft sogenannte Rippelmarken – jene Wellenmuster, die durch die Meeresströmung erzeugt wurden. Sie berichten von Thetys, dem Meer, das später zum Mittelmeer werden wird. Der berühmte pierre jaune von Neuenburg, ein Kalkstein, bildete sich in der Unteren Kreidezeit, im Hauterivium, vor 130–136 Ma (= Millionen Jahre). Es ist schwierig zu erkennen, aber das Gestein des pierre jaune enthält zahreiche Fossilien. Sie belegen, dass sich dort, wo heute die Höhenzüge des Jura sind, einst ein wenig tiefes Meeresbecken mit tropischem Klima erstreckte.

In der erdgeschichtlichen Zeit des Jura, vor 200–145 Ma, war ein grosser Teil der heutigen Schweiz ebenfalls von einem Ozean bedeckt. Dieser war unter anderem bevölkert von wirbellosen Kopffüsslern, die für die Geologen sehr wichtig werden sollten: den Ammoniten. In Freiburg, an der Kathedrale St-Nicolas, finden sich an der Treppe zu einem Portal zwei schöne versteinerte Ammoniten aus jener Epoche. Somit gilt: Wenn ein Stein in einem Gebäude verbaut wird, ist er bereits selber ein historischer Zeuge.

Bild: CSC Sàrl

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