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NIKE-Bulletin 1/2019

Dynamische Farben

Unser Bild von Glasmalereien, und besonders von deren Farbigkeit, ist von überarbeiteten Abbildungen, einmaligen Besuchseindrücken und musealen Präsentationen vor Leuchtkästen geprägt. Diese Vorstellung geht an entscheidenden Eigenschaften dieses Bildmediums vorbei. Mit der wiederholten Betrachtung gestalteter Fenster in ihrem baulichen Kontext wird die Dynamik offensichtlich, von der ihre tatsächliche Erscheinung und Wahrnehmung geprägt ist – und damit auch ihr Einfluss auf die Räume, die sie abgrenzen. Scheint es offensichtlich, dass sich die Helligkeit verändert, sind es jedoch ebenso die Farben, die sich wandeln. Die Farberscheinung von Glasmalereien ist bestimmt durch die Art und Weise, wie Glas das einfallende Licht und die Farbigkeit des Hintergrundes filtert.

Dadurch verändern sich Glasmalereien unablässig mit den Tages- und Jahreszeiten und den vielen Faktoren, die ihre Hintergründe farblich bestimmen. Es ist diese Belebung, die als «vierte Dimension» diese Bildgattung charakterisiert, ihre performative Wirkung bedeutend steigert und die Werke konkret in Zeit und Raum verortet. Diese Eigenheiten sind für kunstgeschichtliche wie etwa auch für museale Aspekte von Belang. Ein Projekt des Audiovisual Communications Laboratory LCAV der EPFL, das mit dem Vitrocentre Romont in Austausch stand, hat auch gezeigt, dass digitale Bildtechnologien es heute möglich machen, solche Phänomene zu simulieren und zu visualisieren.

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Wenn Farben sich verändern – die Perspektive der Restaurierung

Ein Kerngebiet der Konservierung & Restaurierung ist das Bewahren des möglichst ungeschmälerten Zustandes von Kulturgut. Dabei spielt die Farbe eine wesentliche Rolle, aber gerade hier sind die Möglichkeiten von Eingriffen und Massnahmen äusserst beschränkt. Das Wiedergewinnen der ursprünglichen Farbigkeit ist eine Illusion, was bei Möbeln besonders deutlich wird. Die grössten Erfolge werden durch Reinigung erzielt, wodurch der Eindruck verbessert werden kann, zumindest bis zur erneuten Verschmutzung.

Dank der in Quellenschriften gut dokumentierten Vorsichtsmassnahmen der Künstler vergangener Epochen, ihrer intensiven Beschäftigung mit den Eigenschaften von Pigmenten und Bindemitteln, sind erstaunlich viele Werke in einem recht guten Zustand auf uns gekommen. Wir versuchen heute mit der präventiven Konservierung möglichst optimale Bedingungen zu schaffen damit Farbveränderungen verzögert werden. Aufhalten kann man sie nicht. Dabei gilt es, die Balance zwischen Rücksicht auf das Kunstwerk und ungeschmälertem Genuss desselben zu finden. Die Suche nach den präzisen Mechanismen der Alterung soll dabei gesicherte Daten liefern, um die Risiken für das Kulturgut optimal einzuschätzen zu können. Vermutlich können wir damit auch einmal die originalen Farben berechnen und virtuell rekonstruieren. Dies dürfte dann die Sicht auf manches Kunstwerk nochmals verändern.

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Kommunikation über Farbe in der Denkmalpflege

Farben sind für die Denkmalpflege ein zentrales Thema. Für die Geschichte von Baukultur und Handwerk bieten sie einen unerschöpflichen Fundus an Informationen. Wenn es um das Dokumentieren von denkmalpflegerischen Befunden geht oder Massnahmen am Baudenkmal bestimmt werden, ist wichtig, dass es gelingt, sich mit Architekten, Handwerkern und Eigentümern zu verständigen. Dies ist schwieriger als man meinen könnte: Denn Farbe ist Materialität, aber ebenso eine «visuelle Empfindung, das heisst ein subjektives Sinneserlebnis». Es ist darum nach wie vor sinnvoll, sich mit Farbkarten tatsächlich aufgestrichener Farbtöne (Muster) einem Befund zu nähern.

Dank den empirischen Forschungsprojekten vom Haus der Farbe in Zürich, hat die Frage der Stadt- und Siedlungsfarben in den vergangenen zehn Jahren einen neuen Stellenwert erhalten. Diese Analysen konzentrieren sich auf die lokale Farbtradition. Indem sie für die historische und regionale Farbgebung sensibilisieren und diese gleichzeitig in Wert setzen, erweitern und unterstützen sie die Diskussionen. Das Ziel ist eine Systematik, welche alle bei der Farbwahl unterstützt. Die Geschichte der lokalen Farbtradition und damit der Identität eines Ortes ist reich vorhanden. Es geht um die Ausdrucksstärke des Einzelbaus, aber ebenso um die städtebauliche Situation des Ganzen.

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Farbpaletten für Innen- und Aussenräume

Farbige Kompositionen, also Farbquantitäten, Farbklang, Material und Licht sind die Faktoren, die Einzelbauten und Ortsbilder wesentlich prägen. Sowohl im Kontext von Restaurierungen als auch für Unterhalt, Pflege und Weiterentwicklung von Bausubstanz sind exakte Farbreferenzen, die in der Summe die Eigenheiten des jeweiligen Kolorits aufzeigen, sinnvoll. Solche Farbkarten bilden visuelle Werkzeuge und Kommunikationsmittel. Sie helfen über Farbentscheide zu reden, wie auch bei deren Planung und Umsetzung. Die Methode zum Herstellen der Farbpaletten – Farbabnahmen, Mischen und Aufstreichen – ist immer ähnlich, die entstehenden Produkte sind jedoch stets massgeschneidert auf die Bedürfnisse einer jeweiligen Situation und der jeweiligen Auftraggeber.

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Farbe in Mosaiken

Mosaike der Antike beeindrucken durch ihre reichen Farben und Formen, von einfachen geometrischen Motiven bis zu figürlichen Szenen, die qualitativ bisweilen an die Malerei heranreicht. Die kleinen Teilchen, die diese Dekoration bilden, tesserae (pl.) genannt, wurden fast ausschliesslich aus verschiedenfarbigen Gesteinen geschnitten. Die Kunsthandwerker nutzten die Rohstoffe im Umfeld des Produktionsorts, ergänzten diese aber bisweilen um tesserae aus Glaspaste oder Terrakotta für Farben, die in Stein nicht vorkamen.

Die rund 600 Mosaike, die in der Schweiz bislang entdeckt wurden, haben alle ähnlichen Charakter. Ob sie aus Siedlungen stammen oder aus Römervillen– Landsitzen, deren Wohnbereiche sehr luxuriös gestaltet sein konnten – sie bestehen vorwiegend aus Steinchen aus Jurakalk sowie aus Sandstein aus dem Mittelland oder den Voralpen. Die Bodenbeläge bilden ein geometrisches Raster in Schwarz auf Weiss, das mit farbigen Motiven (Menschen, Tiere, Blüten) ausgeschmückt ist.

In römischer zeit existierten noch weitere Typen von Bodenbelägen. Die Böden aus farbigem Marmor (opus sectile), für die Gesteine aus bekannten Steinbrüchen rund ums Mittelmeer importiert wurden, bilden dabei die reichste Variante. Mosaike wurden auch an Wänden von Bädern oder Brunnen angebracht. Diese bestehen hauptsächlich aus Würfelchen aus Glaspaste in leuchtenden Farben.

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Viel bunter als lange vermutet

Auf der Suche nach der ursprünglichen Farbigkeit der karolingischen Fresken von Müstair

Das Unesco-Welterbe Kloster St. Johann in Müstair (GR) ist aufgrund der karolingischen und romanischen Fresken in der Klosterkirche weltbekannt. Die zahlreichen Schadensereignisse und menschlichen Eingriffe in der 1200-jährigen Geschichte des Klosters haben zu einer starken Reduktion und Veränderung des ursprünglichen Bestands der Wandmalereien geführt. Die seit den 1980er-Jahren stattfindenden maltechnischen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen haben gezeigt, dass die Malereien einst eine viel reichere Farbenpalette aufwiesen.

Die 2014 begonnenen Restaurierungsarbeiten, die von naturwissenschaftlichen Untersuchungen begleitet werden, liefern neue, wertvolle Erkenntnisse zur Farbigkeit der karolingischen Fresken. Laut diesen Daten kann davon ausgegangen werden, dass Gelb-, Grün- und Blautöne, die heute vergangen sind, einst eine wichtige Rolle in der Komposition spielten. Es konnten darüber hinaus Lacke und Lasuranstriche nachgewiesen werden, die darauf hinweisen, dass die Schatten und Lichter nuancierter ausgeführt worden waren, als es uns heute erscheint. Die im Zuge der neuen Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten gesammelten Daten sollen möglichst zeitnah der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, und in eine virtuelle Rekonstruktion der ursprünglichen Polychromie der Fresken münden.

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Farbige Kleider für die Schwarze Madonna von Einsiedeln

Die Schwarze Madonna von Einsiedeln wird regelmässig mit einem andersfarbigen Umhang bekleidet. Die Tradition des Einkleidens der bei Mönchen und Pilgern hoch verehrten Muttergottes geht bis ins späte 15. Jahrhundert zurück. In barocker Zeit kam die heute noch gebräuchliche Inszenierung mit langem Mantel und Schleier für Maria, einem entsprechenden Kleidchen für das Jesuskind sowie Kronen, Schmuck und einem Szepter für Maria auf. Die Wahl des farbigen Umhangs richtet sich nach dem liturgischen Kalender und nach den speziellen Feiertagen der Benediktinermönche im Kloster Einsiedeln: Dazu gehören die Engelweihe und der Todestag des hl. Meinrad. Rund zwanzig Mal pro Jahr findet ein Kleiderwechsel statt, bei dem eines der aktuell 36 Kleider aus der Garderobe der Schwarzen Madonna zum Tragen kommt. Vom ältesten Kleid aus dem Jahre 1685 bis zu zeitgenössischen Stiftungen sind reich bestickte und mit Edelsteinen versehene aber auch alltäglichere Stoffe vertreten. Abgesehen von bunt bestickten Kleidern trägt die Schwarze Madonna von Einsiedeln hauptsächlich die liturgischen Farben Rot, Violett, Weiss, Blau und Grün.

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In Ehren ergraut

Die Kanzelskulpturen der Kathedrale St. Nikolaus in Freiburg

Die Kanzelskulpturen der Kathedrale St. Nikolaus wurden 1990 aus konservatorischen Gründen demontiert. Nach den langjährigen Restaurierungsarbeiten in der Kathedrale ist die Kanzel mit ihren bichromen Skulpturen (Graufassung mit Metallauflagen) eines der wenigen Objekte, die noch nicht bearbeitet wurden. Im Rahmen einer Master-Thesis an der Hochschule der Künste Bern wurden die sechs Kanzelskulpturen kunsttechnologisch untersucht. Die Skulpturen bilden ein inhomogenes Ensemble, was auf wiederkehrende Massnahmen in Form von Ersatz, Teilersatz und Neufassungen zurückzuführen ist.

In der Rekonstruktion der Objektgeschichte spielte die Fassungsuntersuchung eine zentrale Rolle, da mit jeder Massnahme an den Skulpturen eine neue Fassung aufgetragen wurde. Es konnte festgestellt werden, dass fünf der sechs Skulpturen in das 16. Jh. zu datieren sind und in den Werkstätten Hans Geilers sowie Hans Giengs gefertigt wurden. Es konnte nachgewiesen werden, dass zwei der drei Skulpturen aus Giengs Werkstatt aus demselben Stück Holz gefertigt wurden. An den Skulpturen konnten unter anderem 4 Graufassungen und 5 Metallauflagen nachgewiesen werden. So waren die Skulpturen im Originalbestand aus Sandstein gefertigt und hellgrau gefasst mit Bordüren aus Zwischgold. Die sechs 30 cm grossen Skulpturen geben somit gute Einblicke in die künstlerischen Werktechniken Freiburgs im 16 Jh.

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«Bleÿgelb, Umbra und Silbergledt»

Das Vitrocentre Romont arbeitet derzeit an einem Forschungsprojekt (finanziert vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) über den Glasmaler und Unterglasmaler Ulrich Daniel Metzger (*1671 in Speyer) und sein Reise- und Rezeptbuch. Obwohl nur wenige seiner Glasarbeiten bis heute überliefert sind, hat er, dank diesem Manuskript, ein wichtiges Dokument hinterlassen. Das Reise- und Rezeptbuch liefert uns ausserordentlich aufschlussreiche Informationen über das künstlerische Leben und die Kunsttechnologie des 18. Jahrhunderts. Es enthält unter anderem Rezepte für Bindemittel sowie für den Farbauftrag.

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Die Farben des Films

Seit der Erfindung des Films im ausgehenden 19. Jahrhundert gab es Ansätze, Filme mit Farbe anzureichern. Mit applizierten Farben färbte man Schwarz-weiss-Filme ein, unter anderem durch Farbbäder oder mit Hand- und Schablonenkolorierung. Später kamen mimetische Verfahren hinzu, die Farben durch fotografische Techniken aufzeichnen. Das filmwissenschaftliche Forschungsprojekt FilmColors. Bridging the Gap Between Technology and Aesthetics, vom European Research Council mit einem Advanced Grant finanziert und an der Universität Zürich angesiedelt, untersucht mit einem interdisziplinären Ansatz der Zusammenhang zwischen Technik und Ästhetik des Farbfilms über den Zeitraum von 1895 bis 1995.

Ein zentraler Begriff dieser Untersuchung ist die Materialästhetik, mit dem analysiert wird, wie sich materielle Eigenschaften auf die Gestaltung von Filmen auswirken. Für diese Untersuchung werden Farbfilme in Filmarchiven in Europa, den USA und Japan fotografisch dokumentiert, die technischen Ansätze studiert und ein grosses Korpus von Filmen analysiert. Neben der formal-ästhetischen, computergestützten Analyse eines grossen Korpus von Filmen setzt das Team wissenschaftliche Messverfahren zur Bestimmung der physikalischen Eigenschaften von Farbfilmen ein. Die vielfältigen Forschungsansätze des Projekts dienen dem Ziel, historische Farbfilme mit wissenschaftlichen Methoden zu restaurieren und zu digitalisieren, sodass sie wieder sichtbar werden.

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