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Bulletin 2/2020

Vom Analogen ins Digitale

Das Beispiel des Baalshamin-Tempels in Palmyra

Das Projekt Collart-Palmyre, das seit 2017 an der Universität Lausanne läuft, hat die wissenschaftliche Nutzung der hinterlassenen Archive des Schweizer Archäologen Paul Collart zum Ziel. Collart hat 1954–1956 und 1966 in Palmyra (Syrien) den Baalshamin-Tempel ausgegraben. Dank der Indexierung und wissenschaftlichen Interpretation der Daten auf digitaler Ebene (bei freiem Zugang) können die Forscher der Universität Lausanne den 2015 zerstörten Tempel wieder zum Leben erwecken. Die aktuelle Forschung erlaubt die Erstellung verschiedener 3D-Modelle, die in Zusammenarbeit mit ICONEM (Paris) erstellt werden. Diese Modelle sind diachronisch und ermöglichen es, die architektonische Entwicklung des Monuments im Lauf der Jahrhunderte zu verfolgen. Zudem werden sie mit der Zeit über eine Plattform zugänglich gemacht, die den Zugriff auf geolokalisierte Archive erlaubt.

Trotz des immensen Potenzials digitaler Duplikate erfordert die Übertragung von analog zu digital einen kritischen Blick: Welchen Zugang haben die von der Zerstörung direkt betroffenen Menschen zu diesem nun digitalen Erbe? Wie hoch ist der Erinnerungswert eines digitalen Duplikats im Verhältnis zum Original? Solche Überlegungen stehen im Einklang mit der Konvention von Faro, die am 13. Oktober 2015 vom Europarat verabschiedet wurde.


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Von der Integrität des Digitalisats in den Fachwissenschaften

Die Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes hat Auswirkungen auf die Aussagekraft und Methode in den Fachwissenschaften. Analoge, von Experten gemachte Dokumentationen kommen nicht ohne Interpretation aus, stellen aber dadurch wichtige Objekteigenschaften heraus. Durch die «Objektivität» von Geräten und Algorithmen gehen gezielte «Vereinfachungen» und damit «Haltungen» zunehmend verloren. Die Beschränkung auf bestimmte Techniken führt schliesslich zum Verlust von inhaltlichen Ebenen. Durch Erkundung des Objekts «aus der Ferne» bleiben Teile seines Quellenwerts unerkannt.

Demgegenüber bildet die digitale Objektdokumentation das Potenzial enger Vernetzung. Diese Integration von unterschiedlichen fachwissenschaftlichen Perspektiven verbessert die Anschlussfähigkeit der Digitalisate in ihrer Nachnutzung. Sie ermöglicht nicht nur echte, objektzentrierte Kollaboration unterschiedlicher Disziplinen, sondern erlaubt es zudem, vielschichtige Bedeutungsebenen ganzheitlich abzubilden, um so dem Quellenwert des Originals bestmöglich Rechnung zu tragen.


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Das Projekt Wallis-Valais Time Machine

oder: Wie das Waliser Kulturerbe mit Hilfe digitaler Technologien beser erfasst und in Wert gesetzt werden kann

Die Anwendung digitaler Technologien im Bereich der Geschichte hat in den letzten Jahren eine bedeutende Entwicklung erlebt. Für den Bereich der Denkmalpflege stellt sie gar eine Revolution dar, die die Möglichkeit bietet, dessen Sammlungen und Bestände auf originelle Weise zugänglich zu machen. Zu den aktuell laufenden Projekten gehört das Projekt Time Machine Europe, die bisher ehrgeizigste und fortschrittlichste Initiative zu big data in Bezug auf die Vergangenheit. Dieses Projekt will, mit einer radikal neuen Art und Weise die europäische Geschichte und Kultur zu erleben, eine umfassende und dynamische Darstellung der europäischen Geschichte über Tausende von Jahren schaffen. Das Projekt ist Ergebnis einer internationalen Zusammenarbeit zwischen Universitäten, Forschungsinstituten und Institutionen der Denkmalpflege.

Das Projekt Valais-Wallis Time Machine schliesst sich hier an. Es zielt darauf ab, das Territorium des Kantons Wallis durch alle Zeitepochen zu erforschen und es, mit Hilfe des reichen archäologischen, historischen und kulturellen Erbes, das uns über Generationen überliefert wurde, digital zu rekonstruieren. Das Endziel ist ein zweifaches: Das Walliser Erbe besser zu erforschen und anschaulich zu machen und es einem breiten Publikum zu vermitteln, das mehr über die Geschichte der Region erfahren möchte, wo es lebt oder die es besucht.


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Ein Bergungsort für digitale Kulturgüter

Zum Stand des Projekts

Die Erstellung von Sicherstellungsdokumentationen und Mikrofilmen gilt auf nationaler Ebene immer noch als eine der wichtigsten präventiven Massnahmen für die Erhaltung von Kulturgütern. Mit dem Mikrofilmarchiv des Bundes, welches seit über 40 Jahren Sicherheitskopien in Form von Mikrofilmen einlagert, wird der langfristigen Informationssicherung nachgekommen. Dies stösst jedoch zunehmend an seine Grenzen und daher braucht es neue, an die digitale Welt angepasste Strategien. Mit dem Bergungsort für digitale Kulturgüter beabsichtigt der Fachbereich Kulturgüterschutz im BABS, den Gedächtnisinstitutionen komplementär zu den Sicherungsmassnahmen ein zusätzliches Sicherheitsnetz anzubieten. Eine vom Fachbereich Kulturgüterschutz BABS und der EKKGS in Auftrag gegebene Studie zeigt Möglichkeiten auf, wie ein solcher Bergungsort ausgestaltet werden könnte. Mittels einer Umfrage zu den Themenbereichen «Organisatorischer Rahmen», «Technischer Rahmen» sowie «Infrastrukturen» wurden in den kulturellen Institutionen Wissen, Meinungen, Bedürfnisse und offene Fragen ermittelt. Anschliessend soll ein Mandat für die Erstellung eines Betriebskonzepts für den Aufbau eines Bergungsortes für digitale Kulturgüter vergeben werden.
 

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Online-Bilddatenbank CERAMICA CH - Nationales Keramikinventar der Schweiz (1500-1950)

Die Digitalisierung macht auch vor den Kulturwissenschaften und den Museen nicht halt. Mehr denn je ist öffentlich zugängliches und kostenlos abrufbares Spezialwissen gefragt. Zu diesen Spezialdisziplinen gehört auch die Keramikforschung. Mit dem Nationalen Keramikinventar der Schweiz und dem Projekt der Bilddatenbank CERAMICA CH möchte die CERAMICA-Stiftung in Basel einen wissenschaftlichen Beitrag zur Bestandserschliessung in den Museen der Schweiz leisten und themenzentrierte nationale und internationale Keramikrecherchen ermöglichen. Bearbeitet sind die Kantone Solothurn, Neuenburg und Waadt, die Arbeiten im Kanton Graubünden werden bis 2022 abgeschlossen, anschliessend folgt die Erfassung im Kanton Bern.
 

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