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Verkannte Baudenkmäler: Architektur der 1950er- und 1960er- Jahre

Wenn man Bauten der Nachkriegszeit erhalten und pflegen will, bleiben heftige Reaktionen meist nicht aus: «Dieser schreckliche Betonklotz soll geschützt werden?» ? «Wir hatten uns noch für die Erhaltung der Altstadthäuser eingesetzt, die abgebrochen wurden, als diese Kisten als Spekulationsbauten errichtet worden sind.» ? «Die Gebäude der 1950er- und 1960er- Jahre sind ohnehin Energieschleudern.» ? Mit solchen und ähnlichen Argumenten sehen sich Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger nicht selten konfrontiert, wenn sie sich für die Architektur der Nachkriegszeit einsetzen. In der Regel ist es einfacher, ein Jugendstilhaus oder ein barockes Wohnhaus zu schützen ? da zweifelt praktisch niemand daran, dass es sich um schutzwürdige Bauten handelt.

Die oft fehlende Akzeptanz bei einer breiteren Bevölkerung für die Nachkriegsarchitektur hat verschiedene Ursachen: Es handelt sich um Architektur, die lange Zeit verpönt war und noch ist, da sie als Kind der Hochkonjunktur ihrerseits zuweilen wertvolle historische Substanz verdrängt hat. Die Bauten stammen zudem aus einer Zeit, als der bewusste und sorgsame Umgang mit unseren Ressourcen noch kein Thema war. ? Dennoch kann nicht einfach pauschal behauptet werden, die Architektur dieser Zeit sei ausschliesslich Spekulations- und Betonklotzarchitektur. Es gibt in dieser Massenarchitektur herausragende Beispiele, die von einem grossen gestalterischen Willen zeugen. Und es ist durchaus nicht so, dass jeder Abbruch eines Nachkriegshauses eine gute Tat für die Umwelt ist. Eine differenziertere Betrachtung tut hier not. Die Aufgabe der Denkmalpflegenden ist es, die Menschen sehen zu lehren, welches die gestalterischen Qualitäten der Nachkriegsarchitektur sind und verständlich zu machen, weshalb es nachhaltig ist, einen Bau dieser Zeit trotz den oben genannten Vorbehalten zu sanieren. Letzteres kann manchmal das überzeugendere Argument sein als ersteres.

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