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Licht und Schatten der Zeit: Die romanische Kirche San Nicolao in Giornico

Obwohl das natürliche Licht ein Grundelement ist, um den architektonischen Raum zu modellieren, äussert sich die Architekturtheorie nur selten zu den Effekten des Tageslichts, das im Lauf der Stunden und der Jahreszeiten den Charakter von Innen- und Aussenräumen der gebauten Umgebung prägt. Die «Lichtregie» im Inneren eines Bauwerks wird bestimmt durch dessen Lage und Orientierung, die Form und Verteilung der Raumöffnungen, die Materialien ihrer Verschlüsse (durchsichtiges, opakes, farbiges Glas etc.) sowie die Farbe und Beschaffenheit der inneren Oberflächen, auf die das Licht fällt und von denen es reflektiert wird.

Die bewusste Führung des natürlichen Lichts im Inneren eines mittelalterlichen Sakralraumes war sicherlich nicht so ausgeklügelt geplant, wie es noch in Bauwerken der Spätantike der fall war. Trotzdem ist auch in der romanischen Architektur eine gewisse Absicht erkennbar, das natürliche Licht zu lenken. Dieses dringt nur sehr reduziert in das Gebäude ein. Es wird derart gefiltert und geleitet, dass nur eine punktuelle Beleuchtung stattfindet, die starke Kontraste zwischen Licht und Schatten erzeugt.

Die Klosterkirche von San Nicolao in Giornico (TI) wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts im Val Leventina erbaut und ist ein bezeichnendes Beispiel für diesen charakteristisch sparsamen Gebrauch des Tageslichts. An einem sonnigen Frühlingsmorgen konzentriert sich das natürliche Licht im Chor und in der Krypta, deren Wände mit hellem Verputz und teilweise spätmittelalterlichen Fresken geschmückt sind; die Altäre von Chor und Krypta sind die hellsten Punkte im Kirchenraum. Heute führt die zunehmende Musealisierung historischer Bauten dazu, dass die Beleuchtungsinstallationen verstärkt ausgebaut werden. Daraus entstehen oft Lichtsituationen, die dem ursprünglichen Charakter der Bauten völlig fremd sind.

Bild: Silvia Berselli

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