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Vom Gewerbe zum Kulturgut: Die Gipsindustrie von Schleitheim

1938 wurde in Oberwiesen, einem Ortsteil der Schaffhauser Gemeinde Schleitheim, ein Gipsmuseum gegründet, welches an den hier im 18./19. Jahrhundert bedeutsamen Gewerbezweig erinnert. Bedeutsam war er in Bezug auf den Abbau des Gipsgesteins und dessen Weiterverarbeitung zu Gipsmehl, dem Ausgangsprodukt für barocke Stuckaturen, Innenausbau, Formenbau, Zementherstellung und für die frühere Landwirtschaft. Seit 70 Jahren sorgen das Museum und der Stollen für die Erhaltung eines gewerblichen Kulturgutes und technischen Denkmals in einer wirtschaftlich nicht verwöhnten Randregion. Das Gewerbe prägte die Gemeinde nachhaltig: Mit dem Gipsabbau verbunden war die Entstehung eines Industriequartiers in unmittelbarer Nähe zur Landesgrenze. Die Einzigartigkeit dieses Museums und des Besucherstollens führt nun dazu, dass die Anlage vom Bund als Geotop von nationalem Interesse eingestuft werden soll.

 

Heute ist noch ein letzter von acht ehemaligen Gipsstollen zugänglich und Teil des Museums. Aus dem vor 1864 angelegten und ebenerdig (445 m ü. M.) in den Berg führenden Stollen wurde bis 1937 Gips gefördert. Er ist noch auf etwa 350 Metern begehbar, 57 Meter liegen im Wasser. Alle anderen, zusammen rund 1700 Meter langen, ausgebrochenen Stollen, auch der 1936 eröffnete und bis 1944 betriebene, wurden aufgegeben und dem Zerfall überlassen, die Mundlöcher wurden vermacht.

 

Um zum Gipsgestein zu kommen, müssen die Besuchenden 50 Meter in gebückter Haltung durch den mit Kalk überdeckten Zugangsstollen gehen. Ursprünglich war er ausgezimmert, das heisst auf drei Seiten mit Holz gesichert, und nur in den absolut notwendigen Dimensionen ausgebaut, damit die Arbeiter die Lore von Hand aus dem Stollen schieben konnten. Nachdem die Gipsschicht erreicht ist, weitet sich der Stollen auf bis zu sechs Metern Breite und Höhe. Auf Stützungen konnte hier verzichtet werden, wenn die Sicherheitsregel, einen Drittel des Grubenfeldes als Sicherungspfeiler stehen zu lassen eingehalten wurde. Seit 1992 ist der Besuchergang trotzdem auf der ganzen Strecke gesichert und mit elektrischem Licht beleuchtet.

 

Im Stollen ist dank des Aufschlusses die Schichtung des Evaporitgesteins (Verdunstungsgesteins) sehr schön zu sehen. Ebenfalls kann die Abbautechnik verfolgt werden. Vom Hauptstollen aus gehen Nebenstollen um die den Berg tragenden Pfeiler herum und führen wieder zum Hauptstollen zurück. Allerdings sind heute diese Nebenstollen zum grössten Teil verstürzt und nur mehr einsehbar.

 

 

Bild: Gipsmuseum Schleitheim

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